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Kirche in Feckenhausen vor 200 Jahren

 

Auch wenn der 1710 errichtete Kirchturm von Feckenhausen nach

70 Jahren umgedeckt werden musste, scheint der Kirchenbau des

genannten Jahres dem Selbstgefühl der Feckenhausener erheblichen

Auftrieb gegeben zu haben. Ihr nächstes Ziel war die Bestellung eines

Pfarrers und eines Lehrers. So baten sie zunächst 1732 um einen Zu-

schuss aus dem Vermögen der Kirchenpflege von St. Michael in Höhe

von jährlich 20 Gulden, um einen Pfarrer bestellen zu können.

Während sie anboten, alle weiteren Kosten für den eigenen Geistlich-

en im Dorf selbst zu bestreiten, erwarteten sie von ihm, dass er Sonntags die Heilige Messe und Christenlehre halten sollte; ange-

sichts der damaligen Wegverhältnisse von Feckenhausen nach Rottweil-Altstadt gerade zur Winterszeit ist dieser Wunsch mehr

als verständlich. Schon acht Tage darauf einigte man sich mit dem Pfarrer von Rottweil-Altstadt auf Franz Anton Brenneisen als Geistlichen in Feckenhausen.


Brenneisen sollte wie gewünscht in Feckenhausen tätig werden und dort auch die „Kreuzgänge", d.h. die Bittgänge und Flurprozessionen durchführen, dafür sollten ihm 30 Gulden und drei Klafter Holz aus dem kirchlichen Vermögen gereicht werden, während die Fecken-

hauser nur noch 10 Gulden und drei weitere Klafter Holz sowie das in der Kirche benötigte Kerzenwachs aufzubringen hatten, den Mess-

wein wollte im übrigen das Rottweiler Spital als Ortsherrschaft zur Verfügung stellen.


Allerdings hatte diese, auf den ersten Blick für beide Seiten sinnvolle Regelung nicht lange Bestand. Schon im Frühjahr 1733 wollte Brenn-

eisen „seinen Dienst gar aufkünden". Die Feckenhauser hatten die dem Geistlichen zugesicherten 10 Gulden und die von ihnen über-

nommenen drei Klafter Holz nicht aufgebracht und mussten schließ-

lich zusehen, wie er sie wieder verließ. Der Weg zum eigenen, ständigen Pfarrer dauerte danach noch volle 70 Jahre, auch wenn der Rottweiler Rat schon 1733 seine Bereitschaft zum Ausdruck brachte, seinen Anteil an der Besoldung eines Geistlichen in Feckenhausen jederzeit zu leisten. Der erste feste Pfarrer von Feckenhausen war 1803 bis 1807 Ambros Stefan Übelhör.

 

Etwas erfolgreicher waren anscheinend die Bestrebungen, in Feckenhausen eine Schule einzurichten; dies hing ebenfalls eng mit der kirchlichen Entwicklung zusammen, weil Schulaufsicht und Schulbetrieb nach damaliger Vorstellung wesentliche Aufgabe der Kirche waren. Aufzeichnungen über die Feckenhauser Schule setzten demnach bereits 1734 ein. Offenbar kümmerten sich zunächst und vor allem zur Winterszeit die Mesner von St. Michael um den Unterricht für die Handvoll Feckenhauser Kinder, allerdings mit eher zweifelhaftem Erfolg. Die Mesner waren schlecht ausgebildet und wurden auch schlecht entlohnt. So besaß der Schulunterricht keinen guten Ruf. 1789 übernahm daher der Magistrat der Reichsstadt Rottweil die Aufgabe, auch in Feckenhausen die Schulverhältnisse auf den Stand des damals Möglichen zu bringen. Man ließ den Feckenhauser Kaspar Mink als Lehrer ausbilden, regelte seine Bezüge und verschaffte ihm den Posten als Mesner und stattet die Schule mit Bänken und Tafeln aus, alles zum „Seelenheil und zur zeitlichen Wohlfahrt" der Feckenhauser. Ab 1833 fand der Unterricht im heutigen Rathaus statt, davor war er beim Mesner zuhause gewesen. So waren die Feckenhauser Mesner bis zum Ende der Rottweiler Reichsstadtzeit im gewöhnlich pfarrerlosen Dorf wichtige Persönlichkeiten, denn sie waren für die kleine Dorfschule verantwortlich und versorgten die 1710 gebaute Kirche. Auch für ihren Dienst in St. Michael hatten sie feste Bezüge, daneben aber Gelegenheitszulagen, wie 1793 Mesner und Lehrer Mink, der nach dem Tod Leopolds II. „wegen dem Kaiser höchstseel. Gedächtnis „ einen Monat lang täglich die Kirchenglocke läutete und dafür einen Gulden und 30 Kreuzer zusätzlich erhielt.